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Bioinformatik - Mit dem Computer auf der Suche nach den Geheimnissen des Lebens

Mittwoch, 01.10.2003

Abstract...

Zu Zeiten von Konrad Zuse's weltbewegenden Erfindungen hatten Biologie und Computertechnik kaum Berührungspunkte. Die Computertechnik war eine sehr
junge Ingenieurdisziplin, in deren Zentrum die Konstruktion von komplexen
Rechenmaschinen stand, bei deren Anwendung zunächst nicht an die Biologie
gedacht wurde. Die Biologie war vorwiegend eine beschreibende Wissenschaft,
in der experimentelle Beobachtungen vom kreativen Forschergeist ohne
Zuhilfenahme des Rechners gedeutet wurden. Es gab zwar herausragende
Geister wie John von Neumann und Stanislaw Ulam, die schon frühzeitig
Verbindungen zwischen den beiden Disziplinen knüpften, aber eine Bewegung
entstand daraus zunächst nicht.

Seitdem aber haben sich Informatik und Biologie von den Wissenschaftlern
fast unbemerkt aufeinander zubewegt. Die Computerwissenschaft unternahm
Schritte in die Software-Entwicklung und die Verarbeitung nichtnumerischer
Daten. Es entstanden mächtige Methoden der graphischen Interaktion und
schnelle Algorithmen. Die Mathematische Statistik lieferte die Grundlage
zur Konstruktion von Software, die Computer aus Daten lernen lässt. Die
Biologie orientierte sich gleichzeitig zunehmend molekular und wurde damit
eine quantitative Naturwissenschaft, die sich mehr und mehr des Computers
als Werkzeug bediente.

In der Informatik gab es schon in den sechziger Jahren eine kleine
Forschergemeinde, die daran arbeitete, biologische Paradigmen für die
Informationsverarbeitung nutzbar zu machen. Trotz der frühzeitig
vollzogenen Entwicklung von neuronalen Netzen und genetischen Algorithmen -
die allerdings auch rein statistisch und ohne biologischen Bezug verstanden
werden können - nahmen sich bis in die neunziger Jahre Biologen und
Informatiker gegenseitig kaum wahr.

Dies hat sich mit der Entwicklung der experimentellen Genomsequenzierung
gründlich und sehr schnell geändert. Die riesigen anfallenden Datenmengen
machten plötzlich die Informationsverarbeitung zu einem entscheidenden
Engpass moderner Biologie. Die Antwort auf diesen Engpass ist die
Bioinformatik. Bioinformatiker bearbeiten beide Disziplinen gleichrangig.
Sie bedienen sich der Methodik der Informatik um neue Softwarewerkzeuge zu
schaffen, mit denen man moderne Biologie treiben kann (nicht umgekehrt!).
Dies schafft eine Fülle neuer Möglichkeiten, Türen in beiden beteiligten
Disziplinen aufzustossen. Als wesentlicher Teilaspekt trägt die
Bioinformatik dazu bei, Informationsverarbeitung in biologischen Systemen
zu verstehen.

Der Vortrag behandelt das Potential, aber auch die Grenzen der
Bioinformatik und zeigt Perspektiven für die weitere Entwicklung des
Gebietes auf.


Zur Person...

 

Prof. Dr. Thomas Lengauer Ph.D., Direktor des Saarbrücker Max-Planck-Instituts für Informatik

Geboren 1952 in Berlin. 1975 Diplom in Mathematik und 1976 Promotion zum Dr. rer. nat. in Mathematik an der Freien Universität Berlin. Master of Science (in Computer Science) 1977 und Ph.D. (in Computer Science) 1979 an der Stanford University. 1984 Habilitation in Informatik an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Von 1984 bis 1992 Professor für Informatik an der Universität Paderborn. Von 1992 bis 2001 Direktor des Fraunhofer-Instituts für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI) und Professor für Informatik an der Universität in Bonn. Seit 2001 Direktor des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken sowie Honorarprofessor an der Universität des Saarlandes. Seit 2003
Honorarprofessor an der Universität Bonn.

     
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